HERR FABU

Head of Shoulders

For A Better Understanding

— 23. Januar 2012, 14:55 Uhr • Leben


(Jean-Michel Basquiat, 1982, Quelle)

Da ich in regelmäßigen Abständen gefragt werde, warum ich denn überhaupt Fabu heiße, möchte ich diesen Artikel dafür nutzen, die Entstehung und Bedeutung zu erläutern.

199x. Der Zivildienst rief, also packte ich meine drei Sachen und zog vom überschaubaren Hanerau-Hademarschen nach Hamburg. Großstadt und so. Ich entschied mich für ein Altenheim in Eppendorf und wenn ich nicht gerade Senioren wusch, mit Omas flirtete, Essen reichte oder mich von den katastrophalen Umständen runterziehen ließ, vergrub ich mich in meiner Einzimmerwohnung im angrenzenden Eimsbüttel und masturbierte oder konsumierte Filme. Gelegentlich ließen sich diese beiden Tätigkeiten auch kombinieren.

So dauerte es nicht sehr lange, bis ich in der nächstgelegenen Videothek auf Filme zurückgreifen musste, die auf den hinteren Plätzen rangierten und in der Regel von einer dünnen Staubschicht bedeckt waren. Auf diese Weise machte ich dann Bekanntschaft mit Basquiat (1996), einem Spielfilm, der das Leben des amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat (* 22. Dezember 1960; † 12. August 1988) porträtiert. Der Name sagte mir nichts und für Kunst interessierte ich mich auch nur auf dem Niveau eines durchschnittlichen Picasso-Ausstellungs-Besuchers vom Lande. Aber hey — David Bowie, Dennis Hopper und Garry Oldman wurden als Nebendarsteller aufgeführt, also griff ich zu, ging nach Hause … und erlebte eine Veränderung.


(YouTube-Direkttrailer)

Es klingt womöglich arg theatralisch, wenn ich behaupte, diese 102 Minuten hätten mein Leben verändert, doch im Grunde genommen ist das eine zutreffende Umschreibung. Der Film — beziehungsweise das Leben und Werken von Basquiat — stießen mich an, den Begriff Kunst das erste Mal ernsthaft zu definieren und was viel wichtiger war: Kunst an Körper und Geist zu erfahren. Ich tauchte in die Bilder von Basquiat ab, ohne sie zu hinterfragen oder verstehen zu wollen. Meine Gänsehaut war mir Erklärung genug und spontan fasste ich den Entschluss, eben diese Reaktion auch bei anderen hervorzurufen. Ich wollte Maler werden.

Merklich inspiriert durch die Werke von Jean-Michel Basquiat zog es mich tiefer und tiefer in die Materie. Nahezu euphorisch schwang ich im Geiste den Pinsel, doch im Zuge meines bereits damals ausgeprägten Größenwahns mussten sich Leinwände und sonstige Untergründe noch etwas gedulden. Himmel, wer würde denn schon ein Bild von einem Stephan Günther kaufen? Nein, das geht nicht, ein passender Künstlername müsse her. Ein Name, der gut klingt, sich leicht merken ließe, aber auch eine Botschaft verbarg. Anstatt also einfach den Tatendrang und die etlichen Ideen und Faszinationen auf Papier oder ähnliches zu bringen, hielt ich mich zurück — schließlich wolle ich meine Ergüsse aufbewahren, bis ich sie mit einer angemessenen Signatur unterzeichnen könne. Tage vergingen, mir fiel kein guter Name ein, aber da das ja nur eine Frage der Zeit wäre, deckte ich mich bereits vorsorglich mit diversen Utensilien ein. Verschiedene Acrylfarben, Pinsel und überteuerte Leinwände in verschiedenen Größen.

Eines nachmittags kam mir der Zufall, genauer gesagt der Fernseher, noch genauer gesagt eine Werbeunterbrechung zu Hilfe. Es lief der Spot eines Telekommunikations-Unternehmens und abschließend wurde der Slogan verkündet:

For a better understanding.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich gar nicht an meine Namenssuche und ich nahm die Werbebotschaft auch eher unterbewusst wahr, dennoch formierte sich daraus in meinem Hirn binnen weniger Augenblicke das Akronym F.A.B.U. — Fabu. Feuerwerk im Kopf, ich hatte meinen Namen.

Was aus meiner Malerei wurde? Damit schloss ich etwa ein Jahr später ab, indem ich alle meine Bilder in einer Nacht- und Nebelaktion an Hamburger Bushaltestellen aussetzte. Der Weg zu dieser Entscheidung beinhaltet einige erwähnenswerte Anekdoten , die ich vielleicht irgendwann in einem gesonderten Artikel erzähle. (Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich wütend auf ein Bild von mir urinierte und es danach einem Freund schenkte, der inzwischen nicht mehr mein Freund ist.)

Ich entsorgte meine Ergüsse, aber der Name blieb. Er ist auch nicht nur ein Pseudonym, sondern entwickelte sich mit den Jahren zu meinem richtigen Namen, mit dem ich sowohl online als auch offline agiere. Wenn mich Freunde oder Bekannte mit meinem Geburtsnamen ansprechen — das kommt zum Glück selten vor — finde ich das regelrecht befremdlich und schwinge im Geiste die Faust. Im Gegensatz zum Pinsel, der landete im Mülleimer.

Ich frage mich gerade, ob mein Bild „90 Grad in Afrika“ ein Zuhause gefunden hat oder zu Staub zerfiel. Hmm.

11 Kommentare zu “For A Better Understanding

SenorKaffee23. Januar 2012 um 15:04 Uhr

Jetzt hat auch dieser Superheld eine Origin-Story! Da auch mein Nick in der Zivildienstzeit geboren wurde, muss es sich um so eine Art kosmische Dings – hier dieses Teil da – handeln. Blöder Zufall, genau, so nennt man das.

Bei Fabu hatte ich er an eine Vorname/Nachname-Abkürzung gedacht (Falk Bummersdorf oder sowas).

Dom23. Januar 2012 um 15:09 Uhr

So so! Und ich nahm immer an, dir wäre “foobar” zu langweilig gewesen und du hättest u- und a-Laut vertauscht.

Fabu23. Januar 2012 um 15:11 Uhr

>>
Bei Fabu hatte ich er an eine Vorname/Nachname-Abkürzung gedacht (Falk Bummersdorf oder sowas).
<<

Harhar!

Viele gehen auch von Fabian oder so aus.
Oder vom Fabulieren. Was ja eigentlich ganz zutreffend ist.

Flo23. Januar 2012 um 18:26 Uhr

Da les ich seine Artikel jahrelang,aber sein “Privatblog” avanciert mit einem Eintrag direkt zu meinem Liebling… Weiter so! Gruß aus HH,Nachbar!

Karsten24. Januar 2012 um 09:04 Uhr

“90 Grad in Afrika”. Das Bild hätte ich schon gern mal gesehen. Jetzt versteh ich auch, was das “in den Lesefluss pinkeln” von gestern meinte.



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