☑ Hyper, Hyper & Brain Crack

(Bild: Ze Frank & BitmapData Glitch Generator)
Ein weiser Mann sagte mal: »Das Problem mit verdammt guten Ideen ist, dass sie einen daran hindern, andere verdammt gute Ideen in die Tat umzusetzen.«
Vor einiger Zeit telefonierte ich mit Jeremy und wir unterhielten uns über (gute) Ideen und wie schade es sei, nur einen geringen Bruchteil der kreativen Hirngespinnste über die Idee hinaus auf die Welt loszulassen. Jeremy erwähnte in diesem Kontext ein altes Video (2006) von Ze Frank, in dem der Netzaktivist von sogenanntem Brain Crack spricht. Er meint damit Ideen, die man im Geiste mehr und mehr ausschmückt. Theoretische Großartigkeiten, die praktisch beflügeln — doch anstatt Nägel mit Köpfen zu machen, flüchtet man sich in Ausreden und Projekte verlaufen sich im Sand. Daraus entsteht ein ständig rotierender Ballast, der sich letztlich negativ auf das ganze Schaffen auswirkt.
Ze Frank hingegen ist jemand, der eigene Ideen möglichst schnell realisiert, um nicht ins Stocken zu geraten. Scheitern wird in Kauf genommen und als Erfahrung verbucht, die dem theoretischen Erfolg vorzuziehen ist. Logisch.
„Hallo. Mein Name ist Fabu und ich bin abhängig von Brain Crack.“
Wer mich und mein Auftreten im Netz schon etwas länger verfolgt, wird womöglich mitbekommen haben, dass ich dazu neige, große Dinge anzukündigen, die dann leider oftmals nach einer gewissen Zeit verpuffen. Das liegt nicht daran, dass in mir Zweifel aufkeimen, die gegen eine Umsetzung sprächen. Nein. Es ist viel mehr so, dass mir ständig neue Ideen in den Sinn kommen, die zuvorige Ideen nach hinten drängen, was unter dem Strich zu einer Verstopfung der Produktivität führt. Also wird fleißig verschoben und ignoriert, um den Stillstand erträglicher zu machen. Hinzu kommt, dass allein das Verkünden einer Idee zu einer Belohnung führen kann. In der Psychologie spricht man vom Belohnungsaufschub.
»(…) Dabei wird auf eine unmittelbare (anstrengungslose) Belohnung zu Gunsten einer größeren Belohnung in der Zukunft verzichtet, die allerdings entweder erst durch Warten oder durch vorherige Anstrengung erlangt werden kann.«
Übersetzt heißt das dann wohl: Fresse halten, machen!
Es mangelt nicht an Werkzeugen, sondern am entscheidenen Schritt, die Werkzeuge effizient zu nutzen, ohne der Selbstlüge zu erlegen. Ich kann noch so viele Geistesblitze abfeuern, notieren, skizzieren, perfektionieren und doppelt unterstreichen — ohne einen richtigen Abschluss, sprich: die Realisierung, befinden sich am Ende des Tages in der Lohntüte höchstens ein paar Schulterklopfer. Und die stammen in der Regel aus der eigenen Kasse.

(Bild: Wunderlist)
Ich habe wirklich vieles probiert: ToDo-Listen, ToDo-Spiele, in der Wohnung verteilte Notizen, Gespräche, Programme, Scheuklappen, Masturbation, Sport und Vitamin A bis Z. Dennoch setze ich maximal 10% meines Potentials um. Und das bezieht sich ebenso auf das Privatleben.
Nun könnte man meinen, ich bekäme rein gar nichts auf die Reihe, was so nicht stimmt. Superlevel läuft wunderbar, meine Reputation im Netz ist durchaus zufriedenstellend und Auftraggeber geben mir auch nicht das Gefühl, meine Leistungen wären ein Griff ins Klo. Dennoch bin ich mit dem Ist-Stand mehr als unzufrieden. Etliche private und berufliche Projekte und Ideen schlagen in meinem Kopf Purzelbäume und ich muss einen Weg finden, diszipliniert damit umzugehen, um in absehbarer Zukunft Früchte ernten zu können. Die Alternativen sind Stillstand und Frustration und Artikel, in denen man von Stillstand und Frustration spricht.
Werte Leserinnen und Leser, wie geht ihr mit Brain Crack um? Wie schafft ihr es, konsequent Worten Taten folgen zu lassen? Muss ich dafür eine Hose tragen? Hoffentlich nicht.